|
Die nachfolgenden Berichte und Erzählungen schildern Begebenheiten, wie Funkamateure oder der einzelne Funkamateur, manchmal auch unter Einsatz ihres eigenen Lebens, selbstlos Hilfe leisteten. Diese Seite ist all denen gewidmet, die durch ihre Bereitschaft zu Helfen einen Beitrag zum Sinn und Zweck des Amateurfunks geleistet haben. In unserer heutigen Telekommunikationswelt wird das Medium Amateurfunk mehr und mehr durch Handy´s, Internet und andere Datenkommunikationsmöglichkeiten verdrängt. Fest steht allerdings, dass in Katastrophenfällen die öffentlichen Funknetze und die Netze der Rettungsorganisationen teilweise oder ganz überlastet sind. Der geübte Funkamateur hat zudem auch ein anderes Gehör, und kann selbst dann etwas auf der Funkfrequenz empfangen, wo andere Ohren nur ein rauschen oder einige Wortfetzen vernehmen. Viele Schicksale, sowie Hilfs- und Rettungsaktionen werden wir sicherlich nie erfahren. Somit stelle ich einige, stellvertretend für die unbekannten Helfer dar, um zu zeigen, dass der Funkamateur eine nicht unbedeutende Stellung bei Katastrophenfällen haben sollte und auch hat.
Ich danke dem Deutschen Amateur Radio Club e.V. , mit seiner Fachzeitschrift CQ DL, für die freundliche Überlassung der Rechte zur Veröffentlichung.
Hinweis: Wenn Sie von Ihrer Seite auf diese Seite verlinken ist eine Zustimmung erforderlich genauso, wenn Sie den Inhalt kopieren und für eigene bzw. fremde Zwecke verwenden. Diese Seite darf nur unverändert in anderen Medien veröffentlicht werden. Bitte kontaktieren Sie mich per Mail - Adresse unter Kontakt.
Wenn Sie Berichte und Informationen zum Beben in Südostasien Weihnachten 2004 und der sofortigen Hilfe von Funkamateuren vorort suchen, dann klicken Sie hier.
Notruf Malaria!
Seit mehreren Jahren sammeln die Yls bei vielen Gelegenheiten wie Messen und Ausstellungen Brillen oder Geld, um damit Medikamente für Pater Alexander, CP8Al, in Bolivien zu kaufen. Der Pater arbeitet dort am Centro Materno Infantil. Jetzt erreichte uns ein kurzer Bericht aus Bolivien: Amateurfunk war die Rettung! Obwohl wir wegen der schlechten Funkbedingungen auf das 40-m-Band ausweichen mussten, konnten mit Hilfe von Roberto, CP6VP, in Santa Cruz Stan, DF8WZ, und Deny, DL5FDA, in Deutschland unseren Notruf hören. Sie leiteten diesen weiter, und so konnten wir endlich bei Action Medeor, einem Medikamentenhilfswerk in Norddeutschland, für 5000 $ Malariamedikamente bestellen. Seit Anfang des Jahres wird Guayaramerin, eine 30000 Einwohner zählende Urwaldstadt im Norden Boliviens, zunehmend von Malaria heimgesucht. Derzeit erkranken etwa 800 Menschen monatlich an dieser Krankheit, fastdoppelt so viele wie im Vorjahr. Die Tendenz ist trotz Ende der Regenzeit weiterhin steigend. Im Laufe der vergangenen Wochen mussten wir immer wieder bei benachbarten Krankenhäusern Medikamente ausleihen, da der Nachschub von staatlicher Seite längst nicht mehr sichergestellt war. Trotzdem wurde unser Medikamentenbestand im Hospital täglich geringer und unsere Sorgen entsprechend größer. So haben wir per Telefax versucht, in Deutschland Medikamente zu ordern, was aber durch technische Probleme nicht gelang. Unsere einzige Rettung erschien der Amateurfunk Am Tag nach dem erfolgreichen Kontakt bestätigte uns DL5FDA per Funk, dass die Medikamente per Luftpost unterwegs seien. Unsere Freude im Hospital war Riesen groß. Amateurfunk ist in Notfällen ein zuverlässiges Medium zur Hilfeleistung über Kontinente. Ein herzliches Dankeschön an alle deutschen Funkamateure, die unseren Notruf aufgefangen und für schnelle Hilfe gesorgt haben. Pedro, CP8XA Quelle: CQ DL 6/96
Als Funker auf der "Sibirjakow" und der" Tscheljuskin"
Im Jahre 1932 nahm Ernst Krenkel die Stelle des Zweiten Funkers auf dem Eisbrecher "Alexander Sibirjakow" an, der am 28. Juli von Archangelsk aus in See ging, um über den Nördlichen Seeweg in direkter Fahrt Wladiwostok zu erreichen. Die Reise verlief schwierig, doch schließlich erfolgreich. Wegen der geringen Stationsdichte jm hohen Norden der Sowjetunion hatte Krenkel Mühe, die geforderten regelmäßigen Positionsmeldungen an die potentiellen Empfänger weiterzuleiten. Da die Eisbrecherfahrt der "Alexander Sibirjakow" die prinzipielle Nutzbarkeit des Nördlichen Seeweges beweisen konnte, wurde am 12. Juli 1933 der Dampfer " Tscheljuskin" auf die Reise geschickt, um die Passierbarkeit dieser Route auch für gewöhnliche Handelsschiffe zu testen. Als Erster Funker befand sich Ernst Krenkel an Bord, der noch nicht wusste, welchen heroischen Abschluss diese Reise finden sollte. Zunächst verlief alles normal, Krenkel führte den routinemäßigen Dienstfunkverkehr durch, erprobte die neue Funkstation und fuhr in der freien Zeit etliche QSOs. Dann kam der verhängnisvolle 13. Februar 1934. Ernst Krenkel befand sich mitten in einem Funkspruch, als er ein fürchterliches Krachen und Poltern vernahm, das von einem Stoß begleitet wurde, der das ganze Schiff erbeben ließ. Die "Tscheljuskin" war zwischen zwei riesige Packeisfelder geraten und im Begriff, von diesen zermalmt zu werden. Krenkel gelang es noch, die nächstgelegene Funkstation auf Uelen über die Katastrophe zu informieren, bevor er mit Hilfe weiterer Besatzungsmitglieder in aller Eile begann, die Stationsausrüstung zu demontieren und zusammen mit den Reservegeräten und anderen lebenswichtigen Gütern auf das Eisfeld zu bringen. Unter unsäglichen Mühen schaffte man es, Zelte, Lebensmittel und Treibstoff vom Schiff zu transportieren. Auch nahezu alle Besatzungsmitglieder konnten sich auf das driftende Eisfeld retten, bevor das Schiff in den eisigen Fluten versank. Es begann ein verbissener Kampf mit überlegenen Naturgewalten, der Klugheit, Kaltblütigkeit, aber auch die unbedingte Hoffnung auf eine Rettung erforderte. Krenkel konnte unter äußerst dramatischen Bedingungen den Funkkontakt mit dem Festland wieder herstellen, so dass die schwierigen Rettungsarbeiten für die Tscheljuskin-Besatzung, zu der auch Frauen und Kinder gehörten, koordiniert verliefen. Auf dem Eisfeld wurde ein Landeplatz für Polarflugzeuge eingerichtet. Mutige Piloten flogen diesen bei gutem Wetter an und evakuierten Schritt für Schritt die driftenden Eisschollenbewohner. Dieser Einsatz dauerte bis zum 13. April 1934, immer wieder unterbrochen durch Schlechtwetterperioden. Ernst Krenkel, der bis zuletzt an seiner Funkstation ausharrte und dafür sorgte, dass der berühmte Faden zur Außenwelt nie abriss, verließ mit den noch verbliebenen fünf anderen Besatzungsmitgliedern an diesem Tag per Flugzeug das Eisfeld. Das Rufzeichen der "Tscheljuskin", RAEM, das dank Krenkels aufopferungsvollen Einsatzes auch auf der Eisscholle nicht verstummte, wurde ihm von nun an als persönliches Amateurfunkrufzeichen verliehen und ist bis heute vielen älteren Funkamateuren noch ein Begriff. Quelle: CQ DL 1/92 (Auszug aus einem umfangreichen Bericht)
Russisches Krankenhaus bedankt sich bei Deutschen Funkamateuren
Die Mitglieder des OV Kempen (R05) erhielten kürzlich aus Ukhta (UA9X...) einen Brief, über den sie sich sehr gefreut haben. Der Verwalter des Ukhtaer Kinderkrankenhauses, Nikolaij Wenin, schreibt: "Den größten Dank für die einzigartige humanitäre Hilfe, die die Kempener Amateurfunker uns geleistet haben. Wir, die Mediziner der Stadt Ukhta, haben das erste Mal so eine große Masse sehr wichtiger und nötiger Verbandsstoffe und Medikamente erhalten. Das Abladen des riesigen Flugzeuges, das Abtransportieren in die Stadt und das Verstauen der Lasten im Kinderkrankenhaus dauerte acht Stunden. Dabei waren die Ukhtaer Amateurfunker behilflich. Wir danken nochmals allen Spendern und fühlen uns sehr verpflichtet allen, die an dieser Hilfsaktion teilgenommen haben." So weit der Brief. Die Kempener Amateure hatten im Mai 1992 damit begonnen, eine Hilfsaktion für das Kinderkrankenhaus in Ukhta zu organisieren. 33 Tonnen Verbandsmaterial und Medikamente waren in Zusammenarbeit mit dem Technischen Hilfswerk, OV Lüdinghausen, auf 81 Europaletten verpackt worden, jede 2,40 m hoch. Zwei Paletten mit Lebensmittel und Kleiderpaketen aus verschiedenen OVs der L- und R-Distrikte kamen hinzu. Mit drei besonders hohen Sattelaufliegern wurde die Fracht termingerecht zum Köln-Bonner Flughafen gebracht. Beklemmende Augenblicke für die Organisatoren: Maximal 70 Paletten fasst der Riesenvogel, und 83 stehen in der Abfertigungshalle! Als die Antonow AN22 dann aber endlich - mit 14 Tagen Verspätung - einschwebt, klappt die Verladung reibungslos. Die Kempener hatten sofort den Abflug der AN22 nach Ukhta gemeldet, doch das Flugzeug brauchte statt der angekündigten sechs Stunden zwei Tage bis Ukhta. Der Teufel weiß, warum die vollgetankte Maschine in Moskau zwischenlanden und 36 Stunden dort bleiben musste. Als sich dann aber Soris, UV9XD, meldete und berichtete, dass die Maschine bereits entladen sei, atmete man in Kempen erleichtert auf Paul Söldner, DJ1MH Quelle: CQ DL 2/93
Rettungsaktion per Funk
Im April konnte ich einen Notruf von Valery, RK6AG, aus Sotschi aufnehmen, der mir in gebrochenem Deutsch eine Geschichte erzählte, die kaum zu glauben war. Im Krankenhaus von Sotschi liege ein Deutscher, der von der russischen Mafia überfallen worden sei. Es handele sich um Hans aus einem Ort in der Nähe von Osnabrück. Er sei bei dem nächtlichen Überfall durch sieben Messerstiche in die Brust und vier in den Rücken schwer verletzt, Kleidung, Geld und Ausweise seinen ihm abgenommen worden. Die restlichen Umstände blieben mysteriös. Der Zufall wollte es, dass Valery von der Geschichte erfuhr und er als Funkamateur mit Deutschkenntnissen Funkpartner in der Heimat des Opfers verständigen konnte. Selbstlos versorgte Valery das Opfer mit Bekleidung, zusätzlicher Verpflegung, und er besuchte Hans regelmäßig. Dabei erfuhr er auch die Telefonnummer von Hans' Firma und dass er sich drei Monate im Koma befunden hatte und nunmehr schon acht Monate im Krankenhaus lag. Über Funk versuchte ich, auf dem 20-m-Band einen regelmäßigen Kontakt mit Valery aufrecht zu halten. Es gelang mir, die Arbeitskollegen von Hans zu informieren. Dort glaubte man an ein Wunder, denn weder in der Firma noch zu Hause nahm man an, dass Hans noch leben würde. Von diesem Zeitpunkt an gab es einen guten Kontakt zur Familie von Hans. Auch das Auswärtige Amt in Bonn konnte ich über die Ereignisse in Sotschi informieren, und nachdem auch die russische Botschaft in die Angelegenheit einbezogen worden war, konnte Hans in wenigen Tagen zurück nach Deutschland gebracht werden. Frank Schillert, DL6HRA Quelle: CQ DL 2/95 (Auszug aus einem umfangreichen Bericht)
Rettung aus Seenot
Am 10. August 1991 waren meine XYL Sumiko, DD5FR, und ich bei Masaki Hiratsuka, JA1KRM, in Tokio eingeladen. Wir hatten vor, am späten Nachmittag das Museum für die Stadtgeschichte Tokios zu besuchen und vorher etwas Funkbetrieb zu machen. Die Bedingungen waren zur Mittagszeit auf 15 rm nicht sehr gut, aber mein letzter CQ-Ruf brachte eine Verbindung zu 7J1AIJ/m, Thomas Scherer, der bei der deutschen Botschaft in Japan beschäftigt ist und gerade nach Akihabara fahren wollte, um sich dort einen Transceiver zu kaufen. Er wurde natürlich umgeleitet und traf zehn Minuten später mit YL Motoe, 7M1CBR, bei uns ein. Anwesend waren noch Hideyuki Nebiya, JE1BQE, und Masaru Iwata, JM1RKU, ein Spezialist für die Stadtgeschichte Tokios. Wir unterhielten uns sehr gut, und als wir gegen 15.30 Uhr aufzubrechen gedachten, wollten wir nur noch einmal hören, ob die Bedingungen sich geändert hatten. Sie hatten sich gebessert, und auf 21, 152 MHz trafen wir auf eine Runde deutschsprechender Australier. Wir hatten die gegenseitige Vorstellung gerade hinter uns gebracht; als sich um 15.45 Uhr N4KSN/mm meldete. Die Station war sehr schwach, und nur dank unserer guten Antenne (Quad - hat schon drei Taifune überstanden!) konnten wir die Station aufnehmen. N4KSN/mm, Volkert, sprach Deutsch. Er berichtete uns, dass der Motor seiner 14-m-Jacht "Jambo" defekt und der Mast gebrochen sei. Er habe sich aus Draht notdürftig eine Antenne gebastelt. Seit drei Tagen treibe er im Seegebiet von Indonesien westlich der Insel Biak langsam auf Riffe und Untiefen zu. Er habe zwar noch einige Stunden Zeit, aber der Schiffbruch sei unabwendbar, falls keine Hilfe käme. Natürlich klingelten bei uns die Alarmglocken, und auch die Australier versprachen, ihrerseits die australische Küstenwache zu alarmieren, aber was wir auf japanischer Seite erleben mussten, ließ mir meine letzten drei Haare zu Berge stehen! Thomas, 7J1AIJ, hielt die Verbindung mit dem Havaristen, während wir im Hintergrund versuchten, Rettungsmaßnahmen einzuleiten. Beim Amt für die Sicherheit auf See, so die wörtliche Übersetzung, erreichten wir nur den Anrufbeantworter - es war ja Samstag Nachmittag. Der Amateurfunkverband JARL erklärte sich für nicht zuständig, und die Polizei konnte auch nicht helfen. Ein Anruf beim Außenministerium brachte uns eine Dame ans Telefon, die erst einmal fragte, ob Japaner betroffen seien. Als wir das verneinten, meinte sie, dass man dann auch nicht helfen könne. Das war ein Hammer! Den anwesenden Japanern war das sichtlich peinlich! Auch mein Hinweis, dass wir Ausländer seien und dass solch eine Haltung im Ausland zumindest Erstaunen auslösen würde, erbrachte keine Änderung in der Haltung dieser Dame (der Name ist uns bekannt). Bei der indonesischen Botschaft war nur eine Stallwache anwesend. Der Herr sprach leider nur Indonesisch. Da Volkert ein amerikanisches Rufzeichen hatte, gingen wir davon aus, dass er amerikanischer Staatsbürger sei. Daher riefen wir die amerikanische Botschaft an und baten dort um Hilfe. Die wurde auch zugesagt, aber nach zehn Minuten riefen sie zurück und teilten mit, dass sie bei den japanischen Behörden auch nicht weitergekommen seien. Sie wollten versuchen, über die amerikanische Küstenwache etwas zu erreichen. Ein japanischer OM, der uns zugehört hatte, suchte auf den Bändern nach indonesischen Stationen, wurde auch fündig und lotste eine Station auf unsere Frequenz. Leider stellte sich heraus, dass die Englischkenntnisse dieses OM nicht ausreichten, um unseren Notruf aufzunehmen und an die Behörden weiterzugeben. Später kam dann ein Anruf, dass die Küstenwache verständigt sei, und tatsächlich dauerte es nicht lange, bis wir eine Verbindung zwischen der Jacht und einer Station auf Guam, die Kontakt zur dortigen Küstenwache hat, herstellen konnten. Durch die Aktivität der Amerikaner war man offensichtlich auf japanischer Seite aufgewacht. Vom Amt für die Sicherheit auf See (wer hat den Anrufbeantworter veranlassen können, etwas zu tun?) wurden wir informiert, dass man Kontakt zu Schiffen in diesem Seegebiet aufgenommen habe und dass zwei Schiffe, ein Handelsschiff und ein Fischereischiff, die angegebene Position auf 1° 5' Süd, 137° 18' Ost zur Hilfeleistung ansteuern werden. Auch die Dame vom Außenministerium meldete sich wieder, entschuldigte sich vielmals und teilte mit, man habe ein Telex nach Indonesien abgesandt. Gegen 18 Uhr wussten wir, dass Hilfe unterwegs war und dass wir nichts weiter tun konnten. Tage später erfuhren wir, dass N4KSN/mm geholfen werden konnte. Der Motor sei repariert worden. Thomas hat seinen Transceiver gekauft, das Museum wartet aber immer noch auf unseren Besuch, denn am Abend gingen wir dann nach Shinjuku! Edgar Morrison-Cleator, DK9UN, 7JADW Quelle: CQ DL 11/91
Notfunk beim Erdbeben in Kobe
In der japanischen CQ ham radio erschien jüngst ein Bericht über den Notfunkeinsatz der Funkamateure nach dem Erdbeben in Kobe Anfang des Jahres. Hier eine Zusammenfassung. Insgesamt waren mehr als 15000 Funkamateure drei Monate freiwillig mit dem Notfunkverkehrs befasst. In den Nachbarprovinzen hatte man 260 Handfunkgeräte gesammelt und an 16 Schwerpunkte wie Notunterkünfte und Auffanglager gegeben. Der Bezirksvorsitzende von Hokkaido schickte, aus Erfahrung klug geworden - 1993 gab es auf der Insel Okushiri westlich von Hokkaido eine Katastrophe -, gerade dann 5000 Ersatzbatterien ins Katastrophengebiet, als man dort das als Problem erkannt hatte. Durch das Beben waren auch viele Amateurfunkstationen zerstört worden. Darum kamen Funkamateure aus anderen Provinzen, um im Katastrophengebiet QRV zu sein. Am wichtigsten war die Weitergabe von Informationen über die Katastrophe selbst - damit konnte die Logistik für Hilfsgüter und -personal arbeiten. Der Vorsitzende der Clubstation der Tokioter Feuerwehrleute schrieb, dass die Notruftelefonnummer hoffnungslos überlastet gewesen sei und künftig neue Meldewege zwingend wären. Eine Möglichkeit sei der Amateurfunk, auch für die Feuerwehr selbst allein in Tokio seien ca. 250 Feuerwehrleute Funkamateure, und das sei um so wichtiger, weil auch das Feuerwehrfunknetz oft überlastet gewesen wäre. Ebenfalls überlastet waren die Funktelefonnetze. Der Behördenfunk habe versagt. Die Dienststellen hätten zwar umgerechnet 132 Mio. DM für die Einrichtung eines satellitengestützten Notfunknetzes ausgegeben, aber beim Erdbeben wurden auch die Notstromaggregate und andere Geräte zerstört, Zugangswege versperrt, und teilweise waren Funker nicht in der Lage, Geräte zu bedienen, so dass viele Funkstellen nicht arbeiten konnten. Edgar Morrison-Cleator , DK9UN, 7JADW Quelle: CQ DL 11/95
Notruf von CP8AL – ein Wettlauf mit der Cholera
Samstag, 16. Februar 1991, 1741 UTC das Telephon klingelt. Es ist Peter Schüller, DK4KU: "Gehe auf 21400 kHz, Alex ruft dich." Dr. Alexander Bendoraitis, CP8AL, bittet Franz-Willi Pfennings, DL6KBJ, um schnelle Hilfe. Etwa 90 km von Guayaramerin entfernt soll ebenfalls Cholera aufgetreten sein. "Wir haben keine Medikamente gegen diese Krankheit. Wir brauchen Impfstoff und Tetracyclin-Tabletten." DL6KBJ ruft über Telephon Dr. Dusan Ruppert, DG5KZ, an mit der Bitte: "Wo bekommt man Impfstoff und Medikamente?" Nach kurzer Zeit meldet sich DG5KZ auf 2 m und teilt DL6KBJ mit, dass er die Quellen ausfindig gemacht habe. DL6KBJ ruft Michael Baumann, DJ4SN, in Wernau bei Stuttgart an mit der Bitte: "Wir brauchen einen schnellen Transportweg." Auch DJ4SN meldet sich nach kurzer Zeit auf Kurzwelle mit der Antwort: "Das geht klar. Am Mittwoch kann alles per Luftfracht nach La Paz gebracht werden." Im Funkgespräch, das an diesem Tage bis 1859 UTC dauert, können wir CP8AL zusagen, dass wir alle Wege im Groben geklärt haben und nun die Kleinarbeit bei uns anfange. Das ist für die Leute in Guayaramerin eine erste Beruhigung. Sonntag, 17. Februar 1991: Am Vormittag werden nun alle angerufen, soweit das am Sonntag möglich ist. Der Plan wird erstellt: Impfstoff von Marburg zum Flughafen nach Frankfurt. Tabletten soll DL6KBJ bei Medeor in Tönisvorst abholen und zum Flughafen nach Köln bringen. Mittwoch geht dann alles ab Frankfurt nach La Paz. Montag, 18. Februar 1991: DGSKZ ruft morgens im Auftrag des Fördervereins Centro Materno Infantil in Marburg an, um den Impfstoff zu bestellen. Antwort: Kein Impfstoff vorhanden. Er versucht es in Harnburg. Zunächst bekommt er die Antwort: "Zur Zeit ist kein Impfstoff in Deutschland zu bekommen. Wir suchen Ihnen eine Quelle in Frankreich." Dann bekommt er aber doch die Zusage, dass man noch irgendwo Impfstoff aufgetrieben hatte. DL6KBJ regelt mit Frankfurt einen Transportweg über den Flughafen in Harnburg. DG5KZ klärt mit der internationalen Apotheke in Harnburg ab, dass der Impfstoff in einem Kühlbehälter zum Flughafen geliefert wird. Bei Medeor in Tönisvorst stehen die Medikamentenpakete (30 kg) um 14 Uhr zum Abholen bereit. Auf der Fahrt nach Tönisvorst und von dort nach Köln zum Flughafen steht DL6KBJ aus seinem Wagen in ständiger Funkverbindung mit Fred Schoenen, DG4KN, aus Alsdorf. Durch dessen Hilfe kann er aktuelle Informationen weiterleiten. Abends kommt die Bestätigung, dass die Medizin bereits unterwegs nach Frankfurt ist. Beim täglichen Funkkontakt mit CP8AL gibt es über diese Nachricht in Deutschland wie auch in Guayaramerin Freude. Dienstag, 19. Februar 1991: Eine zweite Tablettensendung wird auf den Weg geschickt. Im abendlichen QSO kann DL6KBJ CP8AL mitteilen, dass das Flugzeug mit den Medikamenten um 0.30 Uhr Ortszeit in La Paz landen soll. CP8AL teilt mit, dass der weitere Transport von La Paz nach Guayaramerin geklärt sei und das Flugzeug nach Plan am 21. Februar zwischen 10 und 12 Uhr Ortszeit ankommen werde. Donnerstag, 21. Februar 1991: Im abendlichen QSO ist zu erfahren, dass das Flugzeug noch nicht angekommen ist. Freitag, 22. Februar 1991: Im abendlichen QSO berichtet CP8AL, dass das Flugzeug um 11.15 Uhr angekommen sei und Herr Herzog schon um 11.30 Uhr die wertvollen Medikamente übernommen hat. Die Kühlkette des Impfstoffs sei nicht unterbrochen worden, und somit sei die Haltbarkeit bis Juni 1992 bei +2 bis +8 Grad gewährleistet. Wir haben den Wettlauf mit der Cholera gewonnen. Das lokale Fernsehen in Guayaramerin berichtete über diese Hilfsaktion. Die Leute in Guayaramerin sind etwas beruhigter. Die Nachfrage nach den Medikamenten ist sehr hoch. Sie scheinen kostbarer als Gold zu sein. CP8AL bedankt sich bei allen Helfern für die schnelle Hilfe. Viele Funkamateure hörten bei der Aktion zu und ließen die benutzten Frequenzen frei. Erst als die wichtigsten Informationen ausgetauscht waren, meldeten sich die OMs - das nennt man Harn Spirit, herzlichen Dank! Diese Aktion verursachte dem gemeinnützigen Förderverein Centro Materno Infantil Kosten in Höhe von fast 6000 DM. Franz-Willi Pfennings, DL6KBJ Quelle: CQ DL 5/91
Rettungsaktion auf 20 m
In einer dramatischen Rettungsaktion konnte ein 13-jähriger Junge durch Funkamateure des 20-m-Maritime-Mobile-Netzes gerettet werden. Er war von Piraten vor der honduranischen Küste angeschossen worden. Willie van Tuijl war gerade mit seinem Vater Jacco in einem Dingi, als nicaraguanische Seeräuber das wenige Meter entfernt ankernde elterliche Segelboot enterten, in dem sich Willies Mutter Jannie befand. Als sie entdeckten, dass sich der Familienvater mit seinem Dingi dem Segelboot näherte, feuerten sie mit automatischen Waffen, bis sie erkannten, dass sie ein Kind angeschossen hatten. Sie nahmen schließlich nur das Dingi mit, ließen aber die Familie auf dem Segelboot zurück. Via Amateurfunk rief der Vater, der das Rufzeichen KH2TD hat, um Hilfe. Ein Arzt und Funkamateur half, das mit einem Bauchschuss lebensgefährlich verletzte Kind so lange am Leben zu halten, bis über die ebenfalls über Amateurfunk herbeigerufene Küstenwache die weitere Versorgung des Jungen organisiert werden konnte. ARRL-Präsident Jim Haynie, WSJBP, in einem ABC-Interview: "Ohne Amateurfunk wäre dies die Geschichte eines Jungen, der in einem honduranischen Krankenhaus starb! " Die Rettung war mehrfach in den nationalen Medien erwähnt worden und dürfte für einige Freizeit-Skipper den Anstoß geben, sich für Amateurfunk an Bord zu entscheiden. ARRL Quelle: CQ DL 06/00
Aus Lüdenscheid Funkkontakt ins Erdbebengebiet
Nach dem Erdbeben der Stärke 7,4 auf der Richterskala am 17. August in der Westtürkei waren die Telefon- und Mobilfunknetze zusammengebrochen. Den Kontakt zur Außenweit konnten allein Funkamateure im Erdbebengebiet wieder herstellen. Der Lüdenscheider Serdar Demirci, DL6DB, konnte schon kurz nach der Katastrophe seinen Onkel Volkan Cobanoglu, TA2IV, in Istanbul erreichen, der wiederum den Kontakt zu drei Funkamateuren im Erdbebengebiet aufbaute. So erhielt DL6DB direkt Informationen über Einzelschicksale und den Zustand von Straßenzügen und Häusern im Erdbebengebiet und konnte diese an die Angehörigen in Lüdenscheid und Umgebung weitergeben. Nachdem in der örtlichen Tageszeitung die Telefonnummer von Semir abgedruckt wurde, bekam er sogar Anfragen von besorgten Angehörigen aus ganz Deutschland. In den folgenden Tagen wurde der Kontakt mit den drei Stationen durch die Mithilfe der Funkfreunde des Lüdenscheider Ortsverbandes, 014, gehalten, um möglichst viele Anfragen beantworten zu können. Semir: "In so einer Lage muss man helfen." Auch für das Technische Hilfswerk, das vor Ort im Einsatz war, sollten die Lüdenscheider Funkamateure bei Bedarf die Logistik steuern, schilderte der Lüdenscheider-OVV Norbert Patent, DG1NPM. Bei dem Erdbeben sind bisher über 14000 Leichen aus den Trümmern gezogen worden. Am schwersten getroffen wurden Gölcük und Izmit am Marmara-Meer. Alexander Strutzke, DH9AS Quelle: CQ DL 10/99
Terroranschlag auf das World Trade Center
"Das hatte niemand für möglich gehalten, dass in einem Land wie den USA alle Telefonleitungen nach draußen zusammenbrechen, auch die Verbindungen über das Internet." Helmut Heinz, DK6WL, spricht vom Schock, den die Ereignisse des 11. September auslösten. Er arbeitet in München bei ICM Mobile Radio, entwickelt dort Basisstationen und ist ein routinierter Funkamateur. Als an diesem furchtbaren Tag der Krisenstab des Unternehmens ihn zu Hause ausfindig machte, war es kurz nach 22 Uhr. Die gesamte Kommunikation nach Nordamerika war abgebrochen. Kein Kontakt zur Siemens-Zentrale in Iselin. Keiner wusste, wie es den Kollegen und Freunden in Manhattan ging. Wie konnte man sich ein Bild von der Situation verschaffen? Wie sollte man auf den Ansturm von Fragen besorgter Angehöriger reagieren? Schon gegen 22.45 Uhr gelang es Helmut, auf Kurzwelle eine Verbindung nach New Jersey aufzubauen. Ein Notkontakt war hergestellt, und die ersten Nachrichten trafen ein. Helmut befand sich unversehens mitten im "Health and Welfare Traffic". Auch amerikanische Freunde wollten ihren Familien in Deutschland mitteilen, dass sie überlebt hatten. "Ich habe dann einen Funkamateur in Baltimore aufgetan, der ein Lebenszeichen von Amerikanern nach Frankfurt weiterleiten sollte. Ein schönes Gefühl, als ich dann die betreffende Familie anrufen und mitteilen konnte: ,Alles o.k. - den Freunden geht es gut!'" Sicherheitshalber wurde dann ein Point of Contact im US Emergency Radio Net für unsere amerikanischen Kollegen eingerichtet. Mit Hilfe von Alex, W2OX, wurde zudem der Frankford Radio Club eingeschaltet, Funkamateure an der Ostküste, die täglich über KW in DL zu hören sind und helfen wollen, wo sie nur können. Über das europäische DX-Cluster können jederzeit die Notfunker von Siemens alarmiert werden Roland Mensch, DK3Gl, ein Erlanger Funkfreund von OM Helmut und beruflich bei einem UMTS-Projekt in München eingesetzt, hat einen wichtigen Hinweis zu Notsituationen. "Angesichts der Tatsache, dass die modernen Kommunikationsmittel bei diesem Terroranschlag an ihre Grenzen kamen und zusammenbrachen, zeigte sich die unschätzbare und wertvolle Zuverlässigkeit des Amateurfunks. Bei Siemens arbeiten viele Funkamateure. Wir sind auch in Zukunft auf Krisenfälle vorbereitet und jederzeit zur Hilfe in der Not bereit. " Wolfgang Müller Quelle: CQ DL 12/01
Quer-Verbindungen der Hilfskräfte nur über einen Funkamateur
Wie wichtig der Amateurfunk im Katastrophenfall ist, zeigt das Beispiel Hamburg-Wilhelmsburg. Wilhelmsburg wurde von der gleichen Sturmflut 1962 schwer getroffen. Der Stadtteil stand völlig unter Wasser und war von der Außenwelt abgeschnitten. In den Fluten kamen 315 Menschen ums Leben. Die vielen Einsatzkräfte unterstanden dem Katastropheneinsatzleiter Helmut Schmidt, dem späteren Bundeskanzler. Alle eingesetzten Hilfskräfte, wie das Technische Hilfswerk, die Bundeswehr, das Rote Kreuz, die Polizei, die Feuerwehren und die StromversorgungsgeseIlschaften waren mit Funkgeräten ausgerüstet und hatten ihren eigenen Frequenzbereich. Sie konnten mit Mitgliedern der eigenen Organisation gut kommunizieren. Aber wenn eine Querverbindung gebraucht wurde, sahen die zugewiesenen Frequenzen keine Möglichkeit vor. Um trotzdem schnell helfen zu können, wurde ein Funkamateur, Ewald Stadler, Dj2UE, mit einem Hubschrauber eingeflogen, im Gepäck ein KW-Transceiver, Stromversorgung und Antennen. Ähnlich verlief es bei der Schneekatastrophe in Schleswig Holstein von Dezember 1978 bis April 1979. Vor allem im Landesteil Angeln herrschten katastrophale Lebensbedingungen. Teilweise war man dort 14 Tage lang ohne Stromversorgung. Alle Hilfsorganisationen waren im Einsatz, nötige Funkverbindungen von einer zur anderen Einheit kamen nicht zustande. Erst als Funkamateure aus dem OV Süderbrarup, M15, mit UKW-Handfunkgeräten auf die einzelnen Einheiten verteilt wurden, klappten auch Querverbindungen. Hinweis der Redaktion Funkurteile: An der Hamburger Sturmflut waren mehrere Funkamateure mit Hilfsaufgaben betreut. Im oben genannten Bericht handelt es sich um die Tätigkeit eines einzelnen Funkamateurs. Quelle: CQ DL 2/02
Notruf aus dem Mittelmeer
Für die Motoryacht "Nostalgia" ist ein Funkamateur die letzte Rettung. Nach einem Sturm stehen der Besatzung nur noch ein Amateurfunk KW- Transceiver und eine kleine Antenne zur Verfügung, um einen Notruf abzusetzen Notrufe auf VHF und Leuchtraketen bleiben ohne Echo. Dass es kein Scherz ist, erkennt Georg Intzoglou, DL4SV, an der Stimme. Der Mann, der den internationalen Notruf "Mayday, Mayday" benutzt, um Georgs Aufmerksamkeit zu erregen, ist unüberhörbar überaus aufgeregt. Sein Signal: sehr schwach. Fast täglich trifft sich abends zu später Stunde auf der Frequenz 14,285 MHz eine kleine Runde, um ihre Heimatsprache Griechisch zu sprechen. So auch in dieser Nacht vom 26. auf den 27. Juli, als der gebürtige Grieche Georg den Notruf in seinem Haus in Esslingen bei Stuttgart empfängt. Seine Funkpartner aus Kanada, Chile und Australien können den Notruf nicht aufnehmen. Georg muss seine Freunde um Funkstille bitten. Der Notruf kommt von dem deutschen Funkamateur Klaus Bethge, DL8OL, der mit der Motoryacht "Nostalgia" in Höhe der italienischen Stadt Messina im Mittelmeer in Seenot geraten ist. Ein Kurzwellentransceiver und eine provisorisch aufgebaute Antenne sind für die Besatzung des Schiffs die einzige Möglichkeit, auf sich aufmerksam zu machen. Bei einem Sturm, schon Tage zuvor, waren die Schiffsfunkantenne abgebrochen und der Motor ausgefallen. Die Versuche, auf VHF und mit Notraketen auf sich aufmerksam zu machen, schlugen fehl. " Wir treiben direkt auf die Felsenküste zu", hört Georg die entsetzte Stimme von Klaus, nachdem er ihm gesagt hatte, dass sie deutsch sprechen können. Die Bedingungen, unter denen die Verbindung besteht, sind sehr schlecht. Mehrere Versuche sind notwendig, um das Call und die Koordinaten der Motoryacht zu übermitteln. Als Georg die Koordinaten bestätigt vorliegen hat, handelt er sofort. Jetzt ist keine Zeit mehr zu verlieren. Er ruft die Polizei in Esslingen an und schildert den Fall. Die Beamtin am Telefon schluckt. Ein Unglück 1750 km von Esslingen entfernt hat bestimmt noch niemand bei ihr gemeldet. Kurz darauf wird Georg von der Polizei zurückgerufen, um seine Angaben zu prüfen. Während Georg wieder in sein Shack geht, um die Verbindung zu der Yacht zu halten, informiert die Polizei das Lagezentrum des baden-württembergischen Innenministeriums in Stuttgart, die die Suchleitstelle der Bundeswehr in Münster um Hilfe bittet. Diese wiederum schildert die Situation der italienischen Küstenwache. Georg übermittelt die Erfolgsmeldung ins Mittelmeer, aber dort ist man noch skeptisch. Erst als die Lichter zweier Boote zu sehen sind, ist der Jubel auch in Esslingen zu empfangen. Über Funk hört Georg, wie einer seinem Funkpartner Klaus zu ruft: "Da kommen zwei Boote auf uns zu!" Danach ist erst einmal Funkstille. Auf der Yacht ist die Freude groß, Klaus und die restliche Besatzung der Yacht sind gerettet! Nach einiger Zeit ruft Georg noch ein paar mal die Yacht. Als Klaus sich meldet, ist seine Freude, dass alles glatt gegangen ist, unüberhörbar, und er verspricht: "Wenn ich wieder in Deutschland bin, schicke ich Dir meine QSL-Karte!" Quelle CQ DL 9/99
Notfunkverkehr aus Ramstein
OM Thomas Schenk, DD3IR, berichtet wie folgt: Als ich am 28. August 1988 um 1415 UTC Gerät einschaltete, um über Relais Kalmit einen Freund anzurufen, stieß ich auf einen total überfüllten Umsetzer und ein heilloses Durcheinander. Nach einiger Zeit erkannte ich, dass es darum ging, auf telefonischen Wege Notfallnachrichten aus Ramstein weiterzuleiten, wo sich anlässlich der Flugschau ein Unglück ereignet hatte. In Ramstein selbst war aus diesem Grunde das Telefonnetz völlig zusammengebrochen. Ich nahm zunächst Nachrichten für zwei Personen entgegen und beteiligte mich dann immer reger an dem Notfunkverkehr, was dazu führte, dass ich mich unversehens in der Rolle der Leitstation wiederfand und diese Funktion dann auch weiterhin ausübte. Gegen 1500 UTC erreichte mich von DB8VQ ein Notruf aus einem Militärkrankenhaus in Landstuhl. Zur Versorgung der dort eingelieferten Verletzten waren nicht genug Blutkonserven vorhanden, und es wurden dringend solche oder aber Blutspender benötigt. Diesen Notruf gab ich an die Relais Heidelberg, Pirmasens und Karlsruhe weiter. Er wurde auf jedem Relais bestätigt, und wie ich hörte, stellten sich auch einige OMs als Blutspender zur Verfügung. Ich erhielt dann über Relais Kalmit, über welches dieser Funkverkehr vorwiegend ablief, den Anruf einer Mobilstation. Ein als Assistenzarzt in einem Karlsruher Krankenhaus tätiger OM wies mich aus seinem Fahrzeug darauf hin, dass in seiner Dienststelle noch Blutkonserven bestimmter Blutgruppen seien. Er gab mir eine Telefonnummer, mit der ich mich in Verbindung setzen sollte. Ich tat dies und erklärte meinem Gesprächspartner die Sachlage, mit dem Hinweis, dass der Assistenzarzt meine Angaben bestätigen werde, sobald er eine Telefonzelle gefunden habe. Ob es dann tatsachlich zu einem Blutkonserventransport gekommen ist, habe ich allerdings nicht mehr erfahren. Zu einem späteren Zeitpunkt wurde mir jedenfalls mitgeteilt, dass keine Blutkonserven mehr benötigt würden. Zum Schluss noch einige Bemerkungen zur Struktur des Notfunknetzes, wie es sich unmittelbar nach Eintreten des Unglücks spontan entwickelte. Auf der Air Base in Ramstein waren außer einem OM mit einer Station in seinem Fahrzeug noch einige andere OMs anwesend und betriebsbereit. Notrufe bzw. Nachrichten wurden auch noch von einer Station in Landstuhl entgegengenommen und weitergeleitet. Mehrere Stationen aus verschiedenen Telefon-Vorwahlgebieten erklärten sich bereit zur telefonischen Weiterleitung von Nachrichten in ihrem jeweiligen Vorwahlsektor. Die Aktivitäten erstreckten sich über ein Gebiet vom Raum Taunus über Mainz, Heidelberg, Neustadt/Weinstraße, Bad Dürkheim, Darmstadt, Sinsheim, Mannheim, Karlsruhe, Stuttgart bis nach Freiburg/Br. Auch aus dem Saarland beteiligten sich einige Stationen. Das Netz war gegen 1600 UTC voll betriebsbereit und wurde bis etwa 1900 UTC aufrechterhalten. Nach der Auflösung des Netzes blieb außer mir noch ein weiterer OM auf Relais Kalmit für den Fall, dass doch noch Nachrichten zur Übermittlung anfallen würden. Der andere OM hatte über Relais Straßburg Verbindung zu Stationen in Frankreich, die sich nach französischen Besuchern der Flugschau erkundigten. Erwähnt werden muss noch folgendes: Der OM an seiner Fahrzeugstation auf der Air Base in Ramstein wurde von den Leuten, für die er Nachrichten vermittelte, gefragt, ob dies etwas koste. Er verneinte dies, merkte aber noch an, dass, wenn irgendwann einmal ein Funkamateur zu ihnen kommen und um eine Antennengenehmigung nachsuchen sollte, sie ihm diese nicht verweigern sollten. Soweit der Bericht vom Thomas, DD3IR. Hinzuzufügen wäre noch, dass von dritter Seite die während der gesamten Zeitdauer dieser Aktivitäten gewahrte hohe Funkdisziplin lobend hervorgehoben wurde. Gerhard Paul, DF6SW Quelle: CQ DL 11/88
|