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Funkurlaub auf St.Martin
Relativ kurz entschlossen begann ich im Januar diesen Jahres mit der Planung zu meiner Funkurlaub auf der Karibikinsel St.Martin. Leider konnte mich mein Kollege DC3RJ nicht begleiten – gerne hätte ich ihn dabei gehabt.
So flog ich alleine am Samstag morgen den 25.02.2006 von Stuttgart los. Über ein örtliches Reisebüro hatte ich die Reise gebucht ansonsten stelle ich mir doch meine Reisen gerne selbst zusammen. Viel Zeit blieb mir ja nicht denn einige Vorbereitungen für das Equipment sollten ja auch getroffen werden.
Nach gut 1½ Stunden Flug war ich in Paris angelangt. Kurzer Blick auf die Reiseunterlagen .... hmmm Gate C90 war auf dem Ticket aber auf den Monitoren stand Gate C80 für den Weiterflug nach St.Martin. Kurz nachgefragt und das Problem wurde geklärt. Ein Fehler in Stuttgart beim einchecken. Es war Gate C80. Nach knapp 2 Stunden Aufenthalt hob der Flieger Richtung Karibik ab. Neun Stunden dauerte der Flug. Das Essen miserabel. Die Hälfte war nicht genießbar. Die Filme in französisch und mit englischen Untertitel. Egal, ich hatte mir die neueste Ausgabe der AmsatDL und des Funkamateurs mit ins Handgepäck gepackt. Noch kurz etwas zum Flughafen Stuttgart. Während in München lediglich mit dem Sprengstofftuch über die Geräte gegangen wird und man etwas später das ok bekommt läuft es in Stuttgart doch etwas anders ab. Schwäbische Gründlichkeit vielleicht – wer weis. Auf jedenfall wurde das Handgepäck in dem sich der Transceiver und das Netzgerät befanden zweimal durch die Röntgenmaschine transportiert. Der Laptop wurde aus dem Handgepäck genommen und extra für sich durchgeschoben. An meinen Schlüsselbund befindet sich ein Nagelknipser. Darunter eine kleine ca. 2,5cm lange Feile. Das Teil wurde genau studiert ob es wohl als Stichwaffe gilt. Mit dem Transceiver und dem Netzgerät wurde ich dann in einen separaten Raum geleitet. Dort wurde dann mit dem Sprengstofftuch hantiert. Der Sicherheitsbeamte sagte mir, dass gemäß Vorschrift er die Geräte nicht tragen darf. Aber er war nett und das hat es erleichtert. Wir haben dann noch über Netzgeräte fachgesimpelt wie schön leicht doch die Schaltnetzteile sind und dann durfte ich in Stuttgart von dannen ziehen.
Touch down 15.20 Uhr Ortszeit auf St. Martin. Raus aus dem Flieger zum „Terminal“ gelaufen. Nur nebenbei bemerkt im Landeanflug fiel meine Kamera aus – grummel. Emigration – durchgegangen ohne Probleme mit neuem Stempel im Reisepass. Aufs Gepäck gewartet das dann auch vollzählig kam. Meine kleine handliche Alukiste und mein ca. 150cm langer Karton mit den Fiberglasmasten. Wo war mein Fahrer. Kein Fahrer in Sicht. Nachdem ich über 20 Minuten gewartet habe, rief ich über mein Handy das Hotel an. Großes Staunen am andern Ende und sie gaben mir die Nummer vom Fahrer. Den rief ich dann an – es war Norbert ein Deutscher. Es hatte nicht geklappt, kam irgendetwas dazwischen und heute wirds auch nichts mehr mit dem Abholen werden. Egal, bereits nach einer Stunde auf der Insel hatte mich schon die Karibische Mentalität gepackt – einfach „easy“ sehen. Ok, dann eben ein Taxi organisiert. Der Fahrer dessen Namen ich nicht erfragte, fuhr mich in seinem klapprigen Minivan zum Hotel. Unterwegs legte er kurz einen Stopp ein, um einen Bekannten der an der Straße Ausbesserungsarbeiten machte einzuladen – wir also zu dritt im Van. Etwas später stieg der Bekannte wieder aus. Dann wieder ein kurzer Zwischenstopp an einen kleinen Tante Emma Laden – der Fahrer musste etwas für sich einkaufen. Kein Problem ich hatte ja Zeit. Doch soviel Zeit nun auch wieder nicht für den Abend war die erste Verbindung geplant. Weiter auf dem Weg ins Hotel, das eigentlich eine Anlage mit Ferienhäusern ist, erfuhr ich etwas mehr über die Insel.
Unterwegs stellte ich bereits fest wichtig ist hier Hubraum statt Spoiler. Chrom ohne Ende auch wenn die Karre an den Radkästen schon vollkommene Durchrostungen zeigt. Egal, Hauptsache Chrom und Sound. Ok, mein Fahrer schmunzelte auch so über manches Fahrzeug das sich auf der Straße bewegte. Wir fuhren vom holländischen Teil in den Französischen Teil. Mit 96qm2 ist St.Martin/St.Marteen die kleinste Insel mit zwei Staaten und es kommt noch besser. Die Straßenmarkierung ändert sich beim überfahren des holländischen Teils in den französischen Teils, im holländischen Teil hat man 110 Volt im französischen 220 Volt, im holländischen Teil gilt der Antillen Dollar im französischen Teil bezahlt man mit Euro. Möchte man von dem einen Teil der Insel in den anderen Teil telefonieren ist das ein internationales Gespräch. Deswegen haben die meisten auch zwei Handys – mein Fahrer auch.
Ein Mehrbandhandy ist hier nicht erforderlich – ich hatte mein Vodaphone Handy dabei. Nach einer spannenden Fahrt wo die Kommunikation auch mal mit Händen und Füßen war gelangte ich an die Rezeption des Resorts. Erst mal “hallo” sagen und sie wußten ja wer ich bin. Bereits von zu Hause habe ich mich per Email angemeldet und meine Wünsche nach einem Haus geäußert das abseits der Anlage ist. Antennen werde ich auch montieren, darüber wußten sie auch Bescheid. Alles kein Problem. Ich hatte das Haus am Ende der Anlage. Ein Haus mit drei Wohnungen und einen Palmengarten. Und die Zeit drängte. The show must go on. Ich beeilte mich den Termin für den 40m Skeed einzuhalten. Doch wo die Bazooka aufhängen. Zu viele Palmen. An der einen befestigt, versuchte ich bei der anderen die Antenne hoch zu ziehen. Palmwedel anderer Palmen waren im Weg – es war ein Palmengarten. Das nächste mal muss ein Fichtenmoped (Motorsäge) mit, damit man die im Weg stehenden Palmen entfernen kann. Zwei Minuten vor der geplanten Zeit war ich fertig. Durchgeschwitzt nach mehreren Versuchen die Antenne irgendwie in die Palmen gebracht. Die Verbindung stand und es klappte. Zwar nicht zu jedem aber es funktionierte doch zu dem einen und anderen. Ich war bereits über 20 Stunden auf den Beinen als ich vor zur Rezeption ging um zu Abend zu essen. Danach noch einen kurzen Drink an der Bar und ab zurück in „mein“ Haus. Müde viel ich ins Bett, unter dem Moskitonetz schlief ich ein. Etwas sollte nicht unerwähnt bleiben. Nach dem letzten QSO mit Oliver berührte ich nur mal den Mikrofonstecker und bekam einen Stromschlag – fehlende Erde. Eine Rolle Draht hatte ich eingepackt da mir Jürgen (DC3RJ) seinen magnetischen Balun mitgegeben hat. An der Steckdose war ein Kontakt für die Erde. Über den Steckdosenadapter den Draht rumgewickelt und mit der mitgebrachten Steckdosenleiste an der Erde verbunden. Während ich den Bericht hier schreibe frage ich mich, ob Kakerlaken fliegen können oder was war das gerade für ein Tier was vor meiner Nase vorbei flog?
Am nächsten Morgen nach dem Frühstück begann ich mit dem Antennenaufbau. Es wollte nicht so klappen wie ich es wollte – die Palmen waren im Weg. Irgendwann schon ganz genervt beschloß ich die Deutsche DX-Gruppe um DL7DF aufzusuchen. Sie waren bereits schon seit dem 21. Februar hier auf der Insel und machten mächtig Betrieb. Nur ganze 300 Meter entfernt von mir hatten sie sich ein Ferienhaus gemietet. Einigen Wochen zuvor, als sie ebenfalls noch in DL waren, hatte ich bereits telefonischen Kontakt aufgenommen und mein Kommen angesagt. Mit einem Willkommenstrunk wurde ich begrüßt. Ein bisschen geplaudert und Tipps ausgetauscht. Danach ging ich wieder zurück und da war es wieder das Geräusch. Nein, nicht das rauschen des Atlantischen Ozeans, von dem ich etwa 500 Meter entfernt war, sondern das blub blub blub.
Big Block V8 röhren aus vier Rohren – Motorsound pur. Extrem wichtig auf der Insel – immer schön cool bleiben im Allrad getriebenden Fahrspaß und die Sonnenbrille auf der Nase nicht vergessen sowie Musik aus der Hifi-Anlage. Stay cool.
Nachdem auch die Anlage eine eigene Küche bietet, die zugegebenermaßen nicht gerade preislich günstig, dafür aber in ihrer Qualität unübertrefflich ist, fand ich in der Nähe des Strandes einen kleinen Tante Emma Laden. Die Preise astronomisch. Sechs Flaschen Wasser a 1,5Liter, eine Dose Ravioli und einen einfachen Rotwein mal locker 20 EURO hingelegt. Das wichtigste die Plastiktüte um das ganze zu transportieren kostete 2,00 EURO. Wer hier seinen Lebensabend verbringen möchte sollte das nötige Kleingeld haben. Häuser die bei uns etwa 150.000 EURO kosten sind hier gut 400.000 – 500.000 Euro teuer. Nicht zu vergessen, dass es bei uns eine solide Bauweise gibt, hier ist alles etwas einfacher – z.B. keine Heizung vorhanden. Die benötigt man auch nicht aber trotzdem sind die Häuser immer noch um ein mehrfaches teurer, als Häuser in DL. Dafür aber mit Klimaanlage – verständlich bei Tagestemperaturen um die 30 Grad. Natürlich gibt es günstige Supermärkte die von den Einheimischen besucht werden.
In der Nacht von Dienstag auf Mittwoch machte ich dann Bekanntschaft mit ungebetenen Gästen im Haus. Kakerlakenbesuch. Ich war schnell genug und konnte sie mit dem Schuh erschlagen. Es waren vier Stück die ich dann in ein Eck kehrte. Es dauerte nicht lange und es kam von außen unter der Tür eine Ameisenarmee die die Kakerlaken zerlegten und in Teilen abtronsportierten. Am Morgen an der Rezeption beschwert. Ich war Nr. 8 auf einer Liste und gegen Mittag kam der Kammerjäger. Eine Runde Chemiekeule. Gegen später besorgte ich mir noch ein Spray und sprühte auch nochmal in alle Ecken. In der nächsten Nacht waren es nur noch zwei. Ob die Chemie ihre Wirkung zeigte oder es sich bei den Kakerlaken herumgesprochen hat, dass da ein Deutscher wohnt der “trifft”, wer weis das schon. In den Nächten danach gab es keine Probleme mehr.
Hin und wieder besuchte ich auch die Deutsche DX-Gruppe und hatte selbst auch etwas Funkbetrieb. Der Tag der Abreise rückte näher und gegen Mittagszeit wurde ich mit dem Abholer zum Flughafen gebracht. Leider hatte ich falsch gepackt, so dass ich nun mehr Gewicht hatte als bei der Hinreise. Statt 23kg nun 27kg. Das sind 7kg zuviel. Auf dem Hinflug wurden die drei Kilo Übergepäck nicht bemängelt. Auch meine Erklärung das ich selbst 5Kilo abgenommen habe zeigte keine Wirkung. Es wurde nun teuer. Ich musste an einen anderen Schalter, dort dann 25US Doller pro kg bezahlen = 175 US Dollar und wieder zurück die Quittung vorlegen und dann erhielt ich mein Ticket. Der Flughafen selbst ist auch etwas chaotisch. Irgendwann war ich nach der Kontrolle dann im Abflugbereich. Mit 30 Minuten Verspätung hob dann am Abend der Flieger Richtung Europa ab. Ein ereignisreicher Funkurlaub geht zu Ende.
DL2AU - Andi
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