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Amateurfunk DL2AU

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Dokumentation zur Unterstützung in Not- und Katastrophenfällen durch den Amateurfunk.

Autor Andreas Uhlig
DL2AU

Vorwort

In Not- und Katastrophenfällen wir von Seiten der Funkamateure, insbesondere durch den Deutschen Amateur Radio Club (DARC e.V.), immer wieder angedacht, die örtlichen Einsatzkräfte durch Kommunikationsmittel der Funkamateure zu unterstützen.

Der Amateurfunk ist ein Hobby, der zum einen die Nahbereichskommunikation, sowie auch die Fernbereichskommunikation anbietet bzw. die Funkamateure diverse Möglichkeiten haben, am Funkverkehr in Deutschland, Europa oder Weltweit teilzunehmen.

In kleineren regionalen Übungseinsätzen wird in Teilen von Deutschland die Kommunikation für den Ernstfall mit den örtlichen Behörden geübt.

Freie Gedanken

Werden Funkamateure in Not- und/oder Katastrophenfällen überhaupt benötigt? Die Politik hat diese Personengruppe nicht unbedingt auf dem Schirm, da die Anzahl der Funkamateure in Deutschland weiterhin rückläufig, das Durchschnittsalter der Funkamateure deutlich über 50 ist und sie eher als Dinosaurier der Kommunikation mit ihren großen Antennen angesehen werden. Dabei wird außer Acht gelassen, dass große Entwicklungen im Kommunikationssektor vom Fachwissen einzelner Funkamateure mitgetragen wurde und auch weiterhin wird.

Etwa die Hälfte der Funkamateure, Tendenz schwankend, sind über Ortsverbände im DARC e.V. als Mitglied registriert, die andere Hälfte ist nicht Mitglied im DARC. Das trägt nicht unbedingt dazu bei, dass die Funkamateure von der Politik auch wahrgenommen werden.
Der DARC e.V. ist nun mal nicht der ADAC. Allerdings ist diese Ansicht auch sehr verzerrt, da es Millionen von Autofahrern (m/w/d) gibt, im Gegensatz zu ein paar zehntausend Funkamateuren.

Die Behörden in Deutschland haben stets ein Kompetenzgerangel, wenn es um regionale Not- und Katastrophenfälle geht. Das hat sich beim Hochwasser in Sachsen, beim Hochwasser im Ahrtal und bei anderen Katastrophen gezeigt.

Beim Ahrtal haben CB-Funker (nicht Amateurfunker bzw. Funkamateure) Geräte organisiert und diese in die Hochwassergebiete gebracht, damit wenigstens ein bisschen Kommunikation der Betroffenen untereinander möglich war. Die Handy-Netze waren ausgefallen und der Amateurfunk erlaubt den Betrieb auf seinen Frequenzen nur dann, wenn der Betreiber (m/w/d) eine gültige Amateurfunklizenz hat. Ausnahme ist der Ausbildungsfunkbetrieb, bei dem die Person, die funkt keine Lizenz hat, allerdings die ausbildende Person mit gültiger Amateurfunklizenz anwesend sein muss.

Beim CB-Funk handelt es sich um den sogenannten „Jedermannsfunk“, der ohne Vorkenntnisse und ohne Funklizenz betrieben werden darf. Seine Reichweiten sind begrenzt aber in der Regel, für den lokalen Bereich ausreichend, da sich Not- und Katastrophenfälle auch eher im lokalen Bereich auftun.

Zusammenfassend ist der CB-Funk für den Betroffenen eine einfachere und günstigere Kommunikationsmöglichkeit zur Außenwelt als der Amateurfunk. Zudem kann sich jeder ein Gerät mit Antenne kaufen und betreiben, ohne eine Prüfung abgelegt zu haben.

Die Unterstützung durch Funkamateure würde sich nur auf die zusätzliche Bereitstellung von Kommunikationsmöglichkeiten auf den Amateurfunkfrequenzen beschränken, die dann wiederum auch nur von Funkamateuren und Behörden genützt werden können, aber von der Allgemeinheit ohne Amateurfunkzeugnis nicht verwendet werden kann.

Es würde vermutlich auch nur um die Übermittlung von Einsatzinformationen gehen und um mehr nicht. Klar ist, dass der digitale Funkbetrieb der Behörden schnell an seine Grenzen stoßen kann und vermutlich auch wird, da der analoge Amateurfunk auch bei schlechten Funkbedingungen immer noch übertragungssicherer ist als der digitale Funk.

Der Amateurfunk selbst ist analog und auch digital, so dass der Funkamateur mit einfachen Mitteln, z.B. einem FM-Funkgerät und passender Antenne, im 2m-Band sicherere Verbindungen herstellen kann als der Behördenfunk. Das liegt auch daran, dass die Sendeausgangsleistung der Amateurfunkgeräte bzw. dessen Zubehör (Sendeverstärker) um das zigfache über den Behördenfunkgeräten liegt.

Katastrophe ist nicht gleich Katastrophe. Hier spielen viele Faktoren eine Rolle. Ist sie im dicht besiedelten Raum oder eher auf dem Land?

Wie sind die örtlichen oder landschaftlichen Begebenheiten, die örtliche Bebauung im Katastrophengebiet und um welche Art von Katastrophe handelt es sich? Wasser, Wind und Feuer alles ist speziell.

Als Beispiel mein Heimatort, die Gemeinde Gerstetten, zweitgrößte Flächengemeinde in Baden-Württemberg ohne Stadtrecht.

Mit starkem Hochwasser auf der Schwäbischen Alb, Aufgrund der topographischen Lage der Gemeinde und ihrer Eingemeindungen ist hier nicht mit zu rechnen, dagegen mit Wind, somit Stürme bzw. Sturmschäden. Feuer immer, da es genügend Wald gibt und Wasser nur in Form als Schnee oder Hagel und somit eingeschneite Dörfer und Einsiedlerhöfe.

Die Zahl der Funkamateure im ländlichen Raum ist niedriger als die in großen Städten und Gemeinden. Die weitere Selektierung ist die, wie hoch ist das Alter der vor Ort lebenden Funkamateure und wie tief stecken sie eigentlich noch in dem Hobby drin. Haben sie großes Interesse an der Technik, pflegen sie ihren Gerätepark, haben sie die Möglichkeit mit einfachen Mitteln autarken Funkbetrieb durchzuführen und haben sie regelmäßig nicht nur regionale, sondern auch überregionale Funkkontakte bzw. nehmen sogar an Funkwettbewerben teil oder steht das Equipment eher vernachlässigt zu Hause und die Gespräche (Fachbegriff QSO) werden nur als Kaffeeplausch ohne relevanten Hintergrund geführt.

Den Behörden ist nicht geholfen, wenn es sich um Funkamateure handelt, die nur ab und zu ein bisschen die lokale Frequenz bevölkern und ansonsten alles eher ungenutzt zu Hause steht.

Besonders geeignet sind Funkamateure, die an Contesten tätig sind. Sie sind stresserprobt, haben in der Regel ein deutlich besseres Gehör und haben eine höhere Geschwindigkeit bzw. können zum Teil auch mehrere Funkkontakte annähernd gleichzeitig führen. Personen in den Leitstellen der Behörden sind in der Regel nicht so leistungsfähig. Ausdauernder und mit gutem Gehör ausgestattet ist ein aktiver Contester.

Auf der anderen Seite sind die Betroffenen, die auf Hilfe hoffen und deren Kontaktmöglichkeit zur Außenwelt durch die Katastrophe ganz oder teilweise zusammengebrochen ist. Das Handy funktioniert so lange, wie der Akku noch Strom bietet. Selbst wenn das Handy funktioniert, heißt es noch lange nicht, dass damit auch der nächste Umsetzer erreicht werden kann, der das Telefongespräch ins Telefonnetz einspeist. Hat dieser keinen Strom mehr, bringt auch ein vollgeladenes Handy nichts.

Wie bereits erwähnt bleibt nur der CB-Funk übrig, da damit noch Distanzen überbrückt werden können, um jemanden zu erreichen. Es darf nicht davon ausgegangen werden, dass der Amateurfunk, bzw. der Funkamateur die Schnittstelle zu Betroffenen und den Behörden sein wird, da der Großteil der Betroffenen einer lokalen Katastrophe keine Amateurfunklizenz hat.  

Somit müsste eine Amateurfunkstation, die Hilfe zur Kommunikationssicherung anbietet auch in der Lage sein, CB-Funk Frequenzen zu überwachen und gegebenenfalls Kontakte herstellen zu können.

Viel Klärungsbedarf ist nötig, um ein konstruktives Miteinander zwischen den Funkamateuren und den Behörden zu ermöglichen, wobei die Entscheidung darüber, bei den Behörden bzw. Rettungs- und Hilfsorganisationen liegt. Es ist wie bereits erwähnt fraglich, ob da von Seiten der Behörden ein Interesse vorliegt.

Nun gibt es außer den Not- und Katastrophenfällen, die in der Regel temporär und lokal sind, auch andere Ereignisse, die deutlich dramatischer sind.

In Kriegszeiten ist noch nicht geklärt, zumindest ist darüber noch nichts öffentlich bekannt, wie der Amateurfunk bzw. die ganze nichtstaatliche Kommunikation möglich ist.

Wir kennen das aus dem Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine, wo in der Anfangszeit der Amateurfunk in der Ukraine nicht erlaubt war. Nach einiger Zeit hat man dieses Verbot wieder aufgehoben, weil man vermutlich erkannte, dass Funkamateure ungefiltert die Situation im eigenen Land den anderen Funkamateuren weltweit mitteilen.

Die Funkfrequenzen der Funkamateure werden allerdings auch von Pro russischen Funkstation zu Propagandazwecken missbraucht.

Einige Tage vor der Wiederwahl von Donald Trump waren auf den CB-Funkfrequenzen Daueraussendungen von Trump Befürwortern zu hören.
Diese bezogen sich zwar auf die amerikanischen Funker, aber sie waren Aufgrund der hohen Sendeausgangsleistung, natürlich in Verbindung auch mit dem Sonnenfleckenmaximum, außerordentlich gut in Europa zu empfangen.

Es bleibt abzuwarten, sollte es zum Worst-Case-Szenario kommen, was dann passieren wird.

Andreas Uhlig, DL2AU
April 2025

Nachtrag

Nachfolgend wieder nur freie Gedanken zum Worst-Case-Szenario, dem Angriff auf die Europäische Union durch einen Aggressor.

Russland verfügt beispielsweise über ausreichende Sende- und Antennenkapazität, um das Kurzwellenband breitbandig zu stören. Auch wenn die Antennenanlagen teilweise veraltet sind, so darf man das Gesamtkonzept nicht unterschätzen.
Eine Störung der höheren Frequenzen z.B. im VHF- bzw. UHF-Bereich ist nicht zielführend. da der Störsender deutlich näher am Empfänger sein muss, um seine Effektivität auszuspielen.
Es ist daher von einen Störung der weltweiten Kommunikation, eben der Kurzwelle,  auszugehen.
Eine Sabotage des Mobilfunknetzes wird erfolgen, da sich dies Millionen von Nutzer zu eigen machen. Die Sabotage kann entweder durch direkte Zerstörung von Mobilfunksendeanlagen erfolgen oder durch Cyber-Angriff auf die Netzstruktur der Mobilfunkanbieter. Auch an eine Unterbrechung der Stromversorgung von Mobilfunkanlagen ist zu denken.

Der Grundsatz der Kriegsführung bedeutet: Zerstöre die Kommunikation und den Nachschub.

Erreicht ein Aggressor das, ist das eine wichtiger Baustein für seinen Erfolg.

Der Amateurfunk ist im VHF- und UHF-Bereich und darüber hinaus, auf den zugewiesenen Frequenzen, möglich. Nur die Masse der Funkamateure hat eher ein VHF-Gerät, hin und wieder ein UHF-Gerät und von der minimalen Anzahl derer, die sich oberhalb dieser Frequenzen bewegen sprechen wird nicht, da es zu wenige sind. Der Vorteil der Stationen in den genannten Frequenzbereichen ist der, dass diese mit weitaus höheren Sendeleistungen funken dürfen als z.B. Organisationen aus dem behördlichen Bereich. So ist z.B. ein Funkamateur mit nur 100 Watt Sendeleistung an einer Rundstrahlantenne in mittlerer geografischen Lage, also nicht an einem exponierten Standort, durchaus in der Lage einen Radius von 50km Luftlinie zu überbrücken. Bei exponierten Standorten können das durchaus auch mehr als 100km Luftlinie nur an einer Rundstrahlantenne sein. Funkamateure dürfen, abhängig von der Lizenzklasse, bis zu 750 Watt Ausgangsleitung an der Antennenbuchse haben.

Ob allerdings Funkamateure dann zur Übermittlung von Meldungen herangezogen werden ist fraglich oder ob die Sendeanlagen im Sinne der nationalen Sicherheit beschlagnahmt werden, steht auf einem anderen Blatt.

Fakt ist, dass Funkamateure in ganz Deutschland, mit dementsprechendem Equipment, flächendeckend eine Not-Infrastruktur aufrecht erhalten können.

Andreas Uhlig, DL2AU
Dezember 2025







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