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Amateurfunk DL2AU

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Dokumentation zum Amateurfunkgerät ATLAS 210X

        
Der ATLAS 210X war zu seiner Zeit einer der kompakten Kurzwellentransceiver wenn nicht sogar der kompakteste TRX schlechthin. Sein Entwickler war Herbert G. Johnsen, W6KQI, Gründer der Marken SWAN und ATLAS.
Der Sitz des Unternehmens war in 417 Via Del Monte, Oceanside, California 92054.
        
Der  ATLAS 210X wurde von 1975 - 1979 produziert. Danach kam der ATLAS 210X Limited im Jahr 1979. Allerdings nur für ein Jahr, denn dann wurde die  Produktion eingestellt. Im gleichen Zeiträumen wurde auch der ATLAS 215X  (1975 - 1979) sowie der ATLAS 215X Limited (1979) produziert. Auch bei diesem Gerät wurde 1979 die Produktion eingestellt.
Im WEB konnte ich eine Werbeanzeige und ein Kurzbericht finden.
        
Auf  einer Verkaufsplattform im WEB wurde im März 2023 ein ATLAS 210X im optisch guten Zustand angeboten. Da ich mich schon immer für dieses Gerät interessiert hatte, kontaktierte ich den Verkäufer und alsbald war man sich handelseinig. Der TRX sollte laut Angabe des Verkäufers funktionieren, wobei er meinte, dass ein Abgleich sicherlich nicht schaden würde.
Als ich das Gerät mit der Original Bedienungsanleitung  bekam, bestätigte sich der optische Eindruck. Die Inbetriebnahme im  reinen Empfangsbetrieb erfolgte noch am selbigen Abend und ja, der  Transceiver konnte recht gut empfangen. Einzig beim weiteren aufdrehen  des A.F.GAIN Reglers war ein starkes Pfeifgeräusch zu hören. Nach öffnen  des Gehäuses war ein durchgebrannter TANTAL Kondensator zu sehen, in dessen Umfeld auch zwei ELKO's in Mitleidenschaft gezogen wurden. Trotz dieses Defektes war der Empfang recht ordentlich. Der defekte Kondenstor und seine Kollegen sitzen auf dem PC-300D Board. Im Innenleben präsentiert der TRX drei Steckboards. Es handelt sich dabei um das RF  MODULE PC-100C, das I.F.MODULE PC-200D und das erwähnte A.F.MODULE  PC-300D. Der ATLAS 210X und sein Bruder der 215X sind im Modular Design  konstruiert.
        
Das  von mir gekaufte Gerät hat auch eine interessante Geschichte  vorzuweisen. Gekauft wurde es 1978 von Dipl. Ing. Hans-Georg Rabe - DL8RA, (geb.16.07.1938 / verst. 28.09.2015), der zum Botschaftspersonal  der Deutschen Botschaft in Amman (Jordanien) gehörte. Seine dortige  Funktion ist nicht bekannt. Ob er während seiner Schaffenszeit auch zum  dortigen weltweit bekannten Funkamateur JY1 (kein Suffix), dem König von  Jordanien (Hussein), Kontakt hatte entzieht sich meiner Kenntnis.
Es  ist mit großer Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass DL8RA aus  Amman Funkbetrieb machte, da die Geräteunterlagen teilweise mit dem Stempel der Deutschen Botschaft versehen waren.
Irgendwann ging das  Gerät auf eine lange Reise, genauer nach Rio de Janeiro wo Hans-Georg  Rabe, der sich selbst Hanno nannte, von 1986 - 1989 aktiv war.
Hans-Georg  Rabe hat auch einen Sohn (DH9RA) der im Ortsverband H24 aktiv  mitarbeitet. Sein Sohn heißt tatsächlich auch Hanno, so dass es bei einer Internetrecherche auch zu Verwechslungen kommen kann.
Zu welchem Zeitpunkt das Gerät dann wieder nach Deutschland kam ist nicht bekannt. Der Verkäufer bestätigte mir, dass das Gerät aus einem Nachlaß stammt. Ob es sich dabei um den Nachlass von Hans-Georg Rabe (alias  Hanno) oder um eine andere Person handelt, ist nicht ermittelt worden.
        
Der  Transceiver soll wieder voll funktionsfähig hergestellt werden, so dass  ich zuerst mit der Reparatur des defekten Boards begonnen habe.



Nach  erfolgter Reparatur trat das Pfeifgeräusch bei voll aufgedrehten  A.F.GAIN Regler nicht mehr auf. Der TRX lief auch nach mehreren Stunden  im Stand-By Betrieb frequenzstabil.
        
Das damalige Zubehör umfasste folgendes:
        
  • DD-6 eine digitale Frequenzanzeige als zusätzliches Gerät
  • DMK eine Halterung für den mobilen Betrieb in die der TRX eingebaut wurde
  • MT-1 eine Antennenanpassbox
  • PC-120 ist ein Noise blanker
  • 220-CS die Halterung für den stationären Betrieb mit eingebautem Lautsprecher
  • 200-PS separates Netzteil
  • 206 externer VFO
  •         
Die  Halterung für den mobilen Betrieb (DMK) habe ich inzwischen auf EBAY  Frankreich entdeckt und gekauft. Die Antennenanpassbox (MT-1) wird immer mal wieder in EBAY USA angeboten. Dort habe ich schon ein Auge darauf  geworfen.
        
Durch  mein gut sortiertes Archiv an Funkkatalogen aus vergangenen Jahrzehnten  konnte ich im Funk- und Zubehörkatalog von  Ing. Bauer aus Bamberg, im Katalog von 1977, nachfolgende Abbildung eines ATLAS 210 bzw. ATLAS 215  einscannen. Dabei handelt es sich nicht um das Modell mit dem Zusatz “X”, sondern um Vorgängerversionen. Die Katalogqualität ist nicht die  Beste und somit ist der SCAN auch nicht wirklich gut gelungen. Ich möchte die Seiten 6 und 7 bei Gelegenheit noch einmal hochauflösender  scannen. Vorläufig ist eben diese Variante für den Leser sichtbar.


Darstellung  der Mikrofonanschlussbelegung des ATLAS 210X. Diese Anschlussbelegung  über einen 6,35mm Klinkenstecker war früher auch bei anderen Geräteherstellern ein weit verbreiteter Mikrofonanschluss.



Die  Mobilhalterung ist inzwischen aus Frankreich eingetroffen und in einem  schlechten Zustand. Sie muss komplett zerlegt, gereinigt und aufgearbeitet werden. Ein Projekt das in nächster Zeit in Angriff  genommen wird.
        
Hier die ersten Bilder - da gibt es einiges zu tun.







Inzwischen  habe ich mich natürlich auch mit der Frage des passenden Mikrofons  beschäftigt Der ATLAS 210X wurde seinerzeit ohne Mikrofon ausgeliefert, sprich es wurde auch kein passendes vom Hersteller angeboten. Das war  durchaus üblich, denn wer Funkamateur werden wollte musste CW können.  Die Taste war vorrangiger und der Mikrofonanschluss nur ein Zusatz.  Heute werden vermutlich mehr Sprach- als CW-QSO´s geführt. Heute wird  auch bei den Geräten das passende Mikrofon mitgeliefert, früher war es  eben anders. Durch meinen bereits erwähnten Sammelbestand an alten  Katalogen konnte ich zumindest Mikrofone aus dieser Zeit bestimmen, die  auch zum Gerät passen könnten. Ich fand ein altes PEWE Standmikrofon  das ich an den TRX anschlussfertig machen wollte. Letztendlich kam es dann doch anders, so dass ich ein Handmikrofon, das ebenfalls aus dem  Zeitraum des Transceivers stammte, verwendete. Es ist ein SHURE 401B.
        
Der Atlas 210X mit dem Shure Mikrofon.





Die  Mobilhalterung wurde inzwischen mehreren Schleif- und Lackiervorgängen  unterzogen und sieht ganz passabel aus. Sämtliche Schrauben wurden erneuert.


Leider  ist das nachfolgende Bild etwas unscharf. Alle Kontakte mehrfach  gereinigt und dann wieder in die Mobilhalterung eingebaut.



Auf  einem Bein kann man nicht stehen und so ergab sich, dass ich Anfang des  Jahres 2024 wieder zu einem ATLAS 210X kam. Allerdings hatte der schon werkseitig eine Änderung, mit der er so ausgeliefert wurde. Der TRX  wurde mit und ohne NB-Schalter ausgeliefert. Bei dem oberen Gerät, das ich ausführlich beschrieben habe, besitzt der Transceiver den  NB-Schalter. Bei dem nun nachfolgenden Gerät existiert er nicht und wurde mit einer silberfarbenen Abdeckung versehen. Beide Geräte sind so  auf dem Gebrauchtmarkt erhältlich. Ersatzteile sind nur schwer zu besorgen. Natürlich wurde auch der zweite Transceiver gereinigt und einem Sende- und Empfangstest unterzogen. Das Gerät war in der optional  erhältlichen Stationskonsole eingebaut und hat deshalb keine Standfüße.  Die Bohrungen für die Füße sind vorhanden und so werde ich nach Standfüßen im WEB suchen. Mein erster TRX hat sie ja und so sehe ich welche Abmessungen ich benötige, damit die neuen Standfüße auch dem Stil der Zeit entsprechen. Alternativ könnte ich den TRX auch in die  restaurierte Mobilkonsole einbauen - eine Möglichkeit.
        
Nun die Bilder des anderen Gerätes:





Gut  das es Bastelkisten gibt und man im Laufe der Jahre, auch durch Ankauf  von alten Sammlungen, sich einen Ersatzteilbestand aufgebaut hat, der einen gewissen Umfang hat. So fand ich im Fundus passende Standfüße,  noch original verpackt.
Das Projekt Atlas 210X ist nun vorläufig  abgeschlossen. Beide Geräte müssen noch neu eingestellt werden aber das  kommt zu seiner Zeit.

Auszüge aus der Betriebsanleitung - klicke hier.
        
Vorläufiges Ende der Berichtes Juli 2024.

Update Oktober 2024.

In Kleinanzeigen (ehemals EBAY-Kleinanzeigen) fand ich einen weiteren ATLAS-210X zu einem günstigen Preis. Zu erwarten war nicht viel, denn der Verkäufer hatte beschrieben, dass man auf jedenfall die ELKO's wechseln sollte. Das Gerät kam und was war wieder, beim aufdrehen der Lautstärke ein zunehmendes Pfeifgeräusch, fast kein Ausschlag am S-Meter und weitere bauliche Veränderungen wie z.B. Entfernung des DIM-Schalters sowie angebliche Modifikationen im Empfängerteil.

Hier nun der Bericht zu meinem dritten ATLAS-210X


Dieser ATLAS-210X ist ein modifiziertes Gerät. Äußerlich hat er statt dem DIM-Schalter einen Drehregler erhalten. Im inneren sind deutlich mehr Veränderungen sichtbar. Die Birnenbeleuchtung wurde durch LED ersetzt. Das PC-100 D Board wurde durch eine modifizierte Platine von DL7IY ersetzt. Des Weiteren wurde eine Platine verändert und es kam eine neue hinzu. Die Auswirkungen des NB- Schalters sind bei diesem Gerät deutlich hörbarer.

Im Laufe seiner Zeit gab es diverse Modifikationsvorschläge in der CQ DL.

  • Ausgabe 07/1978 / Seite 310 - 311 / Autor DL7IY (Dipl.-Ing. Detlef Rohde) - SK
  • Ausgabe 02/1980 / Seite 064 - 067 / Autor DL7IY (Dipl.-Ing. Detlef Rohde) - SK
  • Ausgabe 09/1985 / Seite 516 - 517 / Autor DJ3ZX (Horst Weeke) - SK 2023
  • Ausgabe 10/1985 / Seite 572 - 573 / Autor DL1BT (Alf Heinrich) - SK 10.12.2012


Nachfolgend oben ein ATLAS 210X im Auslieferungszustand (ohne NB-Funktion). Darunter der modifizierte Transceiver.



Nachfolgend links der modifizierte TRX und rechts ein ATLAS 210X im Originalzustand.


Der modifizierte TRX hatte das gleiche Problem wie mein erster TRX. Bei erhöhen der Lautstärke ertönte ein Pfeifgeräusch. Der Verdacht, dass es sich auch hier um einen defekten Kondensator auf dem PC-300 D Board handelt,  sollte durch einstecken des gleichen Boards aus einem anderen 210X bestätigt werden. Das Pfeifen war weg, somit war klar, das Board hatte ein Problem. Wieder das alte Board reingesteckt und ich stellte fest, dass es Kontaktprobleme gab. Mal war ein pfeifen zu hören und mal nicht. Die Kontakte gereinigt und danach war das Pfeifgeräusch weg. Laut aufdrehen war nun kein Problem mehr. In Zuge dessen alle Kontakte gereinigt - altersbedingt können eben Fehler bzw. Beeinträchtigungen im Betrieb auftreten. Das Gerät selbst wurde ebenfalls gründlich gereinigt. Ein Abgleich steht noch aus. Das passende Mikrofon soll wieder ein SHURE Mike werden. Das wird sich auch noch finden.
Update Dezember 2025. Das passende Mikrofon, ein SHURE 401B, habe ich inzwischen gefunden. Das typische altersbedingte Problem, die Weichmacher gehen aus dem Kabel und so muss ein neues Spiralkabel verbaut werden.

Es ist Januar 2026 und ihr ahnt es schon, ein modifizierter ATLAS 210X mit der Netzteilkonsole war im WEB käuflich zu erwerben. Zudem auch noch die Mobilhalterung  sowie interessante Unterlagen, zu denen ich noch komme. Die Basis ist gut, Restauration durchaus möglich und ja, es ist dann der vierte ATLAS 210X der sich in meinem Besitz befindet. Die meisten Autos haben auch vier Räder - ja man(n) kann sich alles schön reden.





Auf der Rückseite ist ein weißes Kabel mit Kabelschuhen zu sehen. Das Kabel ist am Kühlkörper des TRX befestigt. Ich gehe davon aus, dass hier irgendein Vorbestitzer das Gerät so an eine Erdungsleiste befestigt hat. Klar kommt weg, brauchst Du nicht wenn das Gerät nachher in der Vitrine steht. Die Beleuchtung geht auch nicht, Empfang ist da. Gehäuse mit Kratzer, mal sehen was ich damit mache.
Wie ich schon beschrieben hatte, bekam ich auch jede Menge an Unterlagen mit. Unter anderem auch einen Schriftverkehr von DF4QV (Gerhard Pahmeyer) aus den Jahren 1984 und 1985, wo er einem OM Arno (näheres nicht bekannt) diverse Berichte über Reparaturen, Umbau, Modifikation und Abgleich des mir vorliegenden TRX machte. Eine Abfrage bei der Bundesnetzagentur ob das Rufzeichen DF4QV nocht aktiv ist war negativ. Das Rufzeichen war nicht gelistet. Das bedeutet noch lange nicht, dass der OM verstorben ist. Die weitere Recherche, mit Hilfe des OVV von Minden, brachte den Erfolg, dass Gerhard Pahmeyer sich noch bester Gesundheit erfreut.
Nachfolgend der Schriftverkehr sowie weitere Unterlagen.


Die Konsole ATLAS 220CS, in der der TRX steckt, gab es in zwei Versionen. Die erste produzierte Konsole hatte links einen Kopfhöreranschluß (6,3mm Klinke), danach folgte der Netzschalter und rechts dann der Mikrofonanschluß (6,3mm Klinke).
Das Nachfolgemodell hatte links einen Kopfhöreranschluß (6,3mm Klinke), danach folgte der Netzschalter, dann der Schalter für CW, die Regler VOX-GAIN, ANTI-TRIP und DELAY. Nachfolgend dann die Buchse für die CW-Taste (6,3mm Klinke) und zum Schluss rechts der Mikrofonanschluß (6,3mm Klinke).

Ich werde weiter berichten.

Januar 2026


















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